GÄNGIGE TRAUERMYTHEN

Bei der Online-Beratung von da-sein.de lesen wir immer wieder von Verhaltensweisen oder Glaubenssätzen, die insbesondere junge Trauernde verunsichern oder entmutigen. Zwar KÖNNEN sie für einzelne Betroffene gelten, sollten deshalb jedoch nicht automatisch auf alle Menschen übertragen werden. Im Folgenden also die verbreitetsten Theorien.

Trauer hat viele Facetten. Die meisten Menschen assoziieren sie wohl eher mit negativen Gefühlen. Das Empfinden von Schmerz und Kummer gehört sicherlich zu den häufigsten Empfindungen. Das heißt jedoch nicht, dass etwas nicht mit dir stimmt, nur weil du vielleicht nicht weinen musst oder traurig bist. Du kannst beispielsweise auch erleichtert sein oder dich neutral fühlen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

Wir Menschen möchten gerne alles einordnen und verstehen. So gibt es auch für die Trauer diverse theoretische Modelle, die ihren Verlauf in Phasen oder Aufgaben einteilen. Für manche Menschen mag dies hilfreich sein und Orientierung geben. Andere wiederum fühlen sich dadurch eher unter Druck gesetzt. Du entscheidest selbst, wie sich deine Trauer in der Praxis anfühlt und wie sie verläuft. Und auch wie lange sie dauert.

Es herrschte lange Zeit die Ansicht, dass man schmerzvolle Erlebnisse unbedingt aktiv fühlen und durcharbeiten muss, um sie hinter sich zu lassen oder damit abschließen zu können. Mittlerweile wissen wir auch aus der Forschung, dass das gar nicht immer hilfreich oder notwendig ist. So ist es auch mit der Trauer. Du MUSST dich nicht aktiv mit dem Verlust auseinandersetzen, und das ist okay.

Vielleicht ist dir schon mal die Überzeugung begegnet, man müsse sich unbedingt emotional von dem verstorbenen Menschen lösen, damit ein "normales" Weiterleben möglich ist. Vielleicht durch Aussagen wie "Du hängst noch zu sehr an ihr/ihm" oder "Du musst mal nach vorne blicken". Unserer Erfahrung nach geht es eher darum, eine neue Perspektive oder Beziehung zu der verstorbenen Person zu entwickeln. Du musst niemanden loslassen, wenn du das nicht möchtest.

In unserer Gesellschaft gibt es für viele Ereignisse bewährte Regeln, die wir größtenteils als sinnvoll empfinden. Es gibt aber auch verdeckte Kategorien, anhand derer wir eingeordnet werden. Manchmal sind uns diese gar nicht bekannt und wir merken erst, dass es sie gibt, wenn wir "von der Norm abweichen". Auch für die Trauer gibt es bestimmte Vorstellungen. So scheint es ein bestimmtes Ranking dafür zu geben, um wen man trauern "darf" oder sogar muss - und umgekehrt. Zum Beispiel um enge Verwandte oder langjährige Freunde/Partner*innen. Für dein Umfeld sollte unerheblich sein, warum oder um wen du trauerst. Deine Trauer oder Nicht-Trauer hat immer ihre Berechtigung.